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Das Nettoumlaufvermögen (Net Working Capital) und Working Capital Management

Das Nettoumlaufvermögen – Flüssige Mittel und gebundenes Kapital

Der englische Begriff für das Nettoumlaufvermögen ist bezeichnend. Geld sollte arbeiten, nicht irgendwo im Unternehmen gebunden sein. Das (Net) Working Capital zu optimieren, wirkt für das Unternehmen befreiend. Mit wenigen zielgerichteten Massnahmen lässt sich der finanzielle Handlungsspielraum erheblich vergrössern. Die laufende Optimierung bedeutet mehr Unabhängigkeit von Banken, einen tieferen Verschuldungsgrad, eine höhere Selbstfinanzierungskraft – kurz, mehr Liquidität, die gezielt genutzt werden kann.


Die Formel:

Net Working Capital (Nettoumlaufvermögen) = Umlaufvermögen – kurzfristiges Fremdkapital


Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Working Capital Management

Die Verschlechterung des operativen Geschäfts führt in Verbindung mit Umsatzeinbrüchen schnell zu Liquiditätsengpässen. Dies hat negative Folgen für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Es muss zur Aufrechterhaltung des Geschäfts neue Kredite zu schlechteren Zinskonditionen aufnehmen, was sich negativ auf Gewinn und Liquidität auswirkt – ein Teufelskreis. Um dies zu vermeiden, müssen jederzeit genügend Zahlungsmittel vorhanden sein, um fällige Verbindlichkeiten begleichen zu können. Die Aufrechterhaltung der Liquidität ist für das Überleben von Unternehmen entscheidend. Die Einführung eines effizienten Managements des Nettoumlaufvermögens unter Berücksichtigung der Unternehmensstrategie und der Marktsituation reduziert Liquiditätsrisiken, wirkt sich positiv auf die Kapitalbindung aus und schöpft zusätzliche Liquidität. Während Konzerne meist ein systematisches Net Working Capital betreiben, fehlen KMU dazu oft die nötigen Ressourcen und das Know-how. Ein aktives Net Working Capital Management bedeutet eine effiziente Steuerung von Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten, indem die Vorrats- und Forderungsbestände gesenkt und die Verbindlichkeiten erhöht werden. Dabei sind in der Praxis häufig die nachfolgend abgebildeten Problemfelder anzutreffen.

Abb. 1: Problemfelder Net Working Capital

Nettoumlaufvermögen Problemfelder ZHAW

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Satke, C. & Schatz, F., Operative Exzellenz im WCM, Salzburg 2016

Working Capital Management beginnt immer mit einer umfassenden Analyse und der Identifizierung von Handlungsfeldern. Wichtigste Voraussetzung ist die Transparenz der Kenndaten. Die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft kommt diesem Anliegen des Working Capital Managements stark entgegen.

Wieso Unternehmen Ihre Abhängigkeit von klassischen Kapitalquellen reduzieren sollten

Eine wichtige Kennzahl zur Ermittlung des absoluten Liquiditätsbedarfs ist der Cash Conversion Cycle, was im wörtlichen Sinn Geldkreislauf bedeutet. Der Geldumschlag hängt massgeblich von den Zahlungsfristen für Verbindlichkeiten und Forderungen ab. Verbindlichkeiten und Löhne müssen gezahlt werden bevor Geld aus den verkauften Produkten und Dienstleistungen zufliesst. Aus den Zahlungsfristen sowie der Zeit, welche für die Leistungserstellung und den Absatz benötigt wird, kann die Zeitdauer berechnet werden, für welche eine Finanzierungslücke besteht. Dieser Zeitabstand soll möglichst niedrig gehalten werden, indem der gesamte Wertschöpfungsprozess vom Wareneinkauf über die betriebliche Leistungserstellung bis hin zu Fakturierung und Forderungseingang optimiert wird. Gemäss aktuellen Studien von PricewaterhouseCoopers beträgt der Cash-to-Cash-Cycle im Durchschnitt aller Schweizer Unternehmen 83 Tage von der Auszahlung der Lieferanten bis zum Eingang des Kundengeldes. Die Optimierung des Working Capitals umfasst eine Vielzahl von Handlungsfelder. Einige ausgewählte Aspekte werden nachfolgend abgebildet.

Abb. 2: Teilbereiche Net Working Capital Management

Nettoumlaufvermögen

Quelle: eigene Darstellung

Umfassendes Risikomanagement

Die konsequente Umsetzung von Working Capital Management-Massnahmen senkt die Kapitalbindungskosten und verbessert die Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Es verlangt allerdings den Einsatz aller beteiligten Organisationseinheiten und die Verankerung einer cash-orientierten Denkweise in der Unternehmensstrategie. Doch diese Bestrebungen lohnen sich, denn Working Capital Management stärkt das Bewusstsein für die grossen Zusammenhänge im Gesamtsystem, führt zu einer Fokussierung auf die eigenen Kompetenzen und fördert die Innovationskraft.

Letztes Update am Oktober 2, 2017

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