Stille Reserven

Was sind stille Reserven?

Das Schweizer Rechnungslegungsrecht basiert auf dem Obligationenrecht (OR). Dort gilt immer noch der Grundsatz des Gläubigerschutzes. Ein wichtiges Prinzip der Rechnungslegung ist dabei das «Vorsichtsprinzip», welches die Unterbewertung von Aktiven oder die Überwertung von Passiven erlaubt. Man darf also die Vermögenslage schlechter (aber nicht besser) darstellen als sie effektiv ist.

Da diese Reserven für eine ausstehende Person nicht ersichtlich sind, nennt man diese stille Reserven.

Stille Reserven kommen vor allem in folgenden Positionen der Bilanz vor (geordnet nach der Bilanzstruktur):

  • Fremdwährungsanlagen (Bank oder Wertschriften)
  • Wertberichtigung auf Forderungen aus Lieferung + Leistungen
  • Warenlager
  • Mobiles Anlagevermögen (Mobiliar, Fahrzeug, etc.)
  • Immobiles Anlagevermögen (Immobilien)
  • Immaterielles Anlagevermögen (Patente, Goodwill etc.)
  • Finanzanlagen (Beteiligungen, Wertschriften, etc.)
  • Rückstellungen

Bei den stillen Reserven sind zwei Arten zu unterscheiden:

  • Zwangsreserven
  • Willkürreserven

Die Zwangsreserven entstehen durch ein gesetzliches Verbot der Aufwertung. Das klassische Beispiel hierzu ist die vor 50 Jahren gekaufte Liegenschaft, welche heute immer noch mit dem Anschaffungswert bilanziert ist, jedoch aufgrund gestiegener Landpreise bzw. Immobilienpreise massiv an Wert gewonnen hat. Diese Immobilie darf gemäss den Bewertungsvorschriften nach OR nicht aufgewertet werden und so verbleiben grosse stille (Zwangs-)reserven.

Die Willkürreserven sind freiwillig und bewusst gebildet. Sie könnten auch sofort wieder aufgelöst werden und werden zur (steuerlichen) Gewinnsteuerung verwendet.

Da die stillen Reserven per Definition für ausstehende nicht bekannt sind, hat aufgrund eines Vorfalls (Chiasso-Skandal) der Gesetzgeber wenigstens die (wesentliche) Auflösung von stillen Reserven also Pflichtangabe im Anhang der Jahresrechnung verordnet.

Letztes Update am Oktober 3, 2017

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