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Die Eigenkapitalrentabilität

Eigenkapitalrentabilität – ein trügerischer Performanceindikator

Die Eigenkapitalrentabilität scheint auf den ersten Blick eine aussagekräftige Kennzahl mit einfacher Rechenlogik zu sein. Diese Eigenschaft veranlasst viele Unternehmen, ihre Profitabilität anhand dieser Richtgrösse zu beurteilen und eingesetzte Geschäftsführer daran zu messen. Ob die Kennzahl jedoch tatsächlich so viel aussagt, wie viele annehmen, ist umstritten. Denn schon ihre Rechnungsgrundlage ist nicht eineindeutig und die Bewertung nur im direkten Benchmarking mit anderen Unternehmen der gleichen Branche zweckmässig.

Berechnung der Eigenkapitalrentabilität

Als Eigenkapitalrentabilität (engl. Return on Equity) wird das Verhältnis des Gewinns eines Unternehmens zum Eigenkapital bezeichnet. Analog zur Verzinsung einer Kapitalanlage kann die Eigenkapitalrendite als Zinsertrag des Eigenkapitals aufgefasst werden. Der Return on Equity berechnet sich folglich mit der nachstehenden Formel:

Abb. 1: Formel Eigenkapitalrentabilität

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an ZHAW, School of Management and Law, Winterthur 2017

Eine Eigenkapitalrentabilität von 15% besagt beispielsweise, dass ein Unternehmen auf ein eingesetztes Eigenkapital von CHF 1 Million einen Gewinn von CHF 150’000 erzielt. Um die Aussagekraft der Kennzahl zu erhöhen, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Hinzurechnen von stillen Reserven zu bilanziellem Eigenkapital
  • Bereinigung des Eigenkapitals um die ausstehenden Einlagen
  • Neutralisation des Reingewinns um ausserordentliche oder einmalige Einflüsse

Zielwert in Abhängigkeit der Branche

Zunächst scheint diese Ziffer leicht interpretierbar zu sein – je höher desto besser. Das ist grundsätzlich zwar richtig, doch müssen bei der Interpretation des Wertes auch die Randbedingungen berücksichtigt werden. Die Eigenkapitalrentabilität sollte entweder im Zeitvergleich oder im direkten Benchmarking mit anderen Unternehmen der gleichen Branche betrachtet werden. Grundsätzlich gilt: Je höher der RoE, desto positiver ist die Beurteilung der Entwicklung. Die Eigenkapitalrentabilität kann in Verbindung mit weiteren Kennzahlen aussagekräftige Hinweise auf die zukünftige Unternehmensentwicklung geben. Eine sehr tiefe Rentabilität kann auf überbewertete Aktiva hinweisen (Gefahr zukünftiger Wertberichtigungen) oder auf unrentabel gebundenes Kapital, zum Beispiel in hohen Vorratsbeständen oder nicht mehr betriebsnotwendigem Anlagevermögen. Dem gegenüber würde eine aussergewöhnlich hohe Rendite, sofern sie nicht auf einer einmaligen Marktstellung beruht, meist eine vorübergehende Ausnahmesituation widerspiegeln. Unabhängig welche Vergleichswerte beigezogen werden, sollte die Kennzahl immer bei unveränderter Berechnungsweise analysiert werden.

Eine weitere Perspektive, welche in eine Richtgrösse für die Kennzahl einzubeziehen ist, ist die Sicht des Aktionärs. Der Eigenkapitalgeber erwartet eine angemessene Verzinsung des zur Verfügung gestellten Kapitals und diese sollte in der Regel grösser als der Kapitalmarktzins für langfristige Anlagen sein (je nach Abhängigkeit der Rendite- / Risikobetrachtung sogar deutlich höher).

Einfluss des Leverage-Effekts

Je mehr Eigenkapital ein Unternehmen hält, desto tiefer ist dadurch die ausgewiesene Eigenkapitalrentabilität. Eine Verbesserung der Kennzahl ist entsprechend einfach zu bewerkstelligen: Mit der Reduktion des Eigenkapitals, bei gleichbleibendem Gewinn und gleich grossen Aktiven, erreicht man ohne eine bessere Leistung erzielt zu haben eine verbesserte Rentabilität. Eine Verringerung des Eigenkapitals geht mit einer Erhöhung des Fremdkapitals einher. Dieser Vorgang, auch unter dem Begriff «Leverage-Effekt» verbreitet, stellt letztlich eine Hebelwirkung dar. Dies ist dann möglich, wenn ein Unternehmen mit dem Kredit eine höhere Rendite erwirtschaften kann, als es für den Kredit an Zinsen zahlen muss. Die zu zahlenden Zinsen schmälern zwar den Gewinn, das Fremdkapital verringert jedoch zeitgleich den Anteil des Eigenkapitals am Anlagevermögen, was sich positiv auf die Eigenkapitalrentabilität auswirkt.

Ob diese Vorgehensweise aber auch langfristig im Sinne des Unternehmens ist, darf bezweifelt werden. Grundsätzlich ist die Aufnahme von Fremdkapital weder ungewöhnlich noch negativ zu beurteilen. Jedoch ist in diesem Zusammenhang stets die Eigenkapitalquote zu beachten. Ein hohes Eigenkapital bildet ein starkes Fundament und spiegelt eine sicherheitsorientierte Ausrichtung wider. Die Eigenkapitalrentabilität darf zwar als aussagekräftige Kennzahl gewertet werden, ist aber zwingend mit einer risikogewichteten Messgrösse wie beispielsweise der Gesamtkapitalrentabilität zu ergänzen.

Letztes Update am Mai 2, 2017

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