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Die Milchbüchleinrechnung

Was ist die „Milchbüchleinrechnung“?

Kleinere Unternehmen können sich seit Einführung des neuen Schweizer Rechnungslegungsrecht auf eine sogenannte Milchbüchleinrechnung beschränken. Was ist der genaue gesetzliche Wortlaut und wie muss eine Milchbüchleinrechnung aussehen?

Die Rechtsformneutralität

Ein Grundsatz des neuen Rechnungslegungsrechts ist die Rechtsformneutralität. Statt eines separaten Aktienrechts finden wir neu Regeln zur „kaufmännischen Buchführung und Rechnungslegung“ im Obligationenrecht vor. Die Rechtsformneutralität wird allerdings bereits im ersten Artikel (Art. 957 OR) durchbrochen. Lediglich Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger als 500‘000 Franken Umsatzerlös sind von den Rechnungslegungsregeln befreit. Juristische Personen sind im Grundsatz immer Buch- und Rechnungslegungspflichtig (es gibt Ausnahmen für Stiftungen und Vereine).

Gibt es nun eine Buchführungspflicht bei weniger als 500’000 CHF Umsatz?

Gänzlich befreit von der Buchführungspflicht sind Einzelunternehmen und Personengesellschaft mit weniger als 500‘000 Franken Umsatz trotzdem nicht. So müssen diese Firmen gemäss Art. 957 Abs. 2 über die Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage Buch führen. Abs. 3 hält zudem fest, dass die Grundsätze der ordnungsmässigen Buchführung sinngemäss anzuwenden sind.

Wie sieht also ein Milchbüchleinrechnung aus, die den neuen Anforderungen entspricht?

Wichtig ist festzuhalten, dass die Grundsätze der ordnungsmässigen Buchführung auch bei der Milchbüchleinrechnung einzuhalten sind. Das heisst, auf eine systematische Erfassung aller Geschäftsvorfälle und Belegnachweis kann nicht verzichtet werden. Auf die Anwendung von Schätzungen oder Pauschalen sollte verzichtet werden, fehlt es einer solchen Buchführung doch zudem auch an Glaubwürdigkeit z.B. gegenüber den Steuerbehörden.

Die Einnahmen und Ausgaben können, im Unterschied zur doppelten Buchhaltung, lediglich beim Zahlungszeitpunkt in einem Journal (mit Belegnachweis und aussagekräftigem Buchungstext) erfasst werden (z.B. Kassa, Post und Bankjournal). Auf eine sachliche und zeitliche Abgrenzung darf verzichtet werden. Während des Jahres ist es empfehlenswert, auf den Belegen jeweils das Zahlungsdatum zu notieren, auch um Zeit zu sparen.

Die Erfassung der Vermögenslage

Der Unternehmenserfolg berechnet sich dann vereinfacht aus dem Vergleich des Vermögens am Abschlussstichtag mit dem Vorjahr. Allerdings müssen hier noch die privaten Einlagen und Bezüge berücksichtigt werden, da diese erfolgsneutrale Veränderungen des Vermögens hervorgerufen haben.

Damit die Vermögenslage vollständig erfasst werden kann, müssen auch über die Gegenstände des Anlagevermögens (z.B. Mobiliar, EDV, Liegenschaft) und die Vorräte (Inventur) ein Register geführt werden. Anlagevermögen muss über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden, was kein liquiditätsmässiger Abfluss ist (Ausnahme zum obigen Grundsatz der nur liquiditätsmässig zu erfassenden Geschäftsvorfälle).

Die Milchbüchleinrechnung macht für viele KMU Sinn

Auch Kundenzahlungen und Zahlungen an Lieferanten müssen aus betriebswirtschaftlicher Sicht kontrolliert werden. Hier würde eine konsequent geführte doppelte Buchführung helfen, Zeit zu sparen. In der Milchbüchleinrechnung muss hierfür eine separate Tabelle geführt werden.

Eine so verstandene Milchbüchleinrechnung macht für viele kleinere Unternehmen Sinn. Intuitiv haben wahrscheinlich viele kleinere Einzelunternehmen und Personengesellschaften bereits in ähnlicher Weise ihre Buchhaltung organisiert. Einen wesentlichen Effizienz- und Zeitgewinn bieten die neuen Regeln der kaufmännischen Buchführung und Rechnungslegung aber aus den erwähnten Gründen nicht. Das wäre angesichts der Anforderungen des Steuerrechts auch verwunderlich gewesen. Wer hingegen heute noch viel Zeit mit einer separaten Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung sowie mit den Jahresendabgrenzungen verbringt, sollte sich über eine Vereinfachung der Buchhaltung Gedanken machen. Für mehrwertsteuerpflichtige Firmen empfiehlt es sich überdies, die vereinfachte Abrechnung mit Saldosteuersatz zu prüfen.

Beispiel Einnahmen- und Ausgabenrechnung:

Kasse

Datum Text Einnahme (+) Ausgabe (-) Privat (+) Privat (-) Saldo
01.01. Eröffnung 1’000
24.01. Barverkauf 500 1’5000
01.02. Miete 300 1’200
10.02. Privatbezug 100 1’100
28.02. Porto 50 1’050
03.03. Privateinlage 200 1’250
25.03. Benzin 100 1’150
Total   500 450     1’150

 

Beitrag an Jahresgewinn aus der Kasse ist in diesem Beispiel +50.

Beispiel Vermögensverzeichnis:

Vermögen Stand am 01.01. Stand am 31.12.
Kasse 1’000 2’000
Bank 15’000 18’000
Offene Debitoren 3’000 5’000
Offene Kreditoren -500 -800
Total 18’500 24’200

 

Vermögenszuwachs welcher mit dem Jahresgewinn aus der Einnahmen- und Ausgabenrechnung übereinstimmen sollte ist in diesem Beispiel +5’700.

Letztes Update am Juli 24, 2017

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