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Die eingeschränkte Revision

Der Grossteil der Schweizer KMUs erfüllt die Grössenkriterien für die ordentliche Revision nicht (Bilanzsumme CHF 20 Mio. / Umsatz CHF 40 Mio. / 250 Vollzeitstellen). Für viele Gesellschaften ist somit die eingeschränkte Revision die massgebende Revisionsform. Auf die eingeschränkte Revision kann verzichtet werden (opting-out), wenn die Voraussetzungen gemäss Art. 727a Abs. 2 OR erfüllt sind.

Die eingeschränkte Revision ist eine schweizerische Eigenheit. Sie basiert auf der international verbreiteten «Review» und umfasst nebst der prüferischen Durchsicht vom Gesetz geforderte angemessene Detailprüfungen. Ziel der eingeschränkten Revision einer Jahresrechnung ist eine Aussage des Revisors darüber, ob er auf Sachverhalte gestossen ist, die ihn zum Schluss veranlassen, dass die Jahresrechnung sowie der Antrag über die Verwendung des Bilanzgewinns nicht in allen wesentlichen Punkten Gesetz und Statuten entsprechen. Art und Umfang der Prüfung wurden im Obligationenrecht (OR) grob festgeschrieben. Im Detail regelt der «Standard zur eingeschränkten Revision» wie die Revisionsstelle vorzugehen hat. Naturgemäss geht die eingeschränkte Revision weniger weit als die ordentliche Revision. Der Revisor führt neben Befragungen und analytischen Prüfungshandlungen auch angemessene Detailprüfungen (Bestandes- und Bewertungsprüfungen) durch. Natürlich muss sich der Umfang der Prüfungshandlungen nach den konkreten Umständen in jedem Einzelfall richten. Namentlich wird bei der eingeschränkten Revision aber auf auf folgende Prüfungshandlungen verzichtet:

  • Keine Prüfung des internen Kontrollsystems und der verwendeten IT-Systeme;
  • Keine Inventurbeobachtung und Drittbestätigungsanfragen;
  • Keine Prüfung zur Aufdeckung von deliktischen Handlungen;
  • keine Prüfung zur Aufdeckung von weiteren Gesetzesverstössen.

Wichtig ist festzuhalten, dass die Bestimmungen des Art. 725 OR (hälftiger Kapitalverlust und Überschuldung der Gesellschaft) immer gelten, ungeachtet davon, ob die Jahresrechnung ordentlich, eingeschränkt oder gar nicht geprüft (opting-out) wird. Das gilt auch bei der Anzeigepflicht der Revisionsstelle im Falle einer offensichtlichen Überschuldung. D.h. bleibt der Verwaltungsrat trotz offensichtlicher Überschuldung untätig, muss die Revisionsstelle den Richter benachrichtigen.

Bei der eingeschränkten Revision ist die Prüfsicherheit aufgrund der qualitativ weniger anspruchsvollen Prüfung tiefer als bei der ordentlichen Revision. Der Revisionsbericht enthält bei der eingeschränkten Revision daher eine Negativformulierung: «Bei unserer Revision sind wir nicht auf Sachverhalte gestossen, aus denen wir schliessen müssten, dass die Jahresrechnung sowie der Antrag über die Verwendung des Bilanzgewinns nicht Gesetz und Statuten entsprechen.»

Das Mitwirken der Revisionsstelle bei der Buchführung ist unter bestimmten Bedingungen explizit zulässig. Lesen Sie dazu unseren separaten Beitrag «Mitwirkung der Revisionsstelle bei der Buchhaltung».

Letztes Update am Januar 25, 2017

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