Die Basics des Lean Management

Was bedeutet Lean Management?

Der Begriff Lean Management – wörtlich «schlanke Unternehmensführung» – steht für eine Führungsphilosophie, welche die kontinuierliche Verbesserung zum Wohle des Kunden als oberstes Ziel hat.

Beschreibung der Elemente

Tätigkeiten: Wertschöpfung und Verschwendung

Den Kompass zur kontinuierlichen Verbesserung (jap. Kaizen) stellt die konsequente Unterteilung aller Tätigkeiten in Wertschöpfung und Verschwendung (verdeckte und offensichtliche) dar:

  • Als Wertschöpfung gilt aus Sicht des Gesamtunternehmens jegliche Tätigkeit, welche für den Kunden einen Mehrwert bietet (Qualität, Funktionalität, Material, Lieferperformance etc.). Diese gilt es zu maximieren.
  • Verschwendung wie Ausschuss, Nacharbeit oder auch Arbeitsunfälle und die dadurch entstehenden Kosten sollen eliminiert werden.
  • Notwendige Verschwendung gilt es so weit wie möglich zu minimieren. Dazu zählen all diejenigen Aufwände, welche die wertschöpfenden Tätigkeiten erst erlauben. Als Beispiele seien hier Transport, interne Verwaltung oder aber auch die Führung genannt.

Prozesse: Störungsfreiheit, Fluss, Rhythmus und Sog (Pull-Prinzip)

Aus Sicht der Prozesse gilt es, diese derart zu verschlanken, dass ein Kundenauftrag von A bis Z ohne jegliche Liege- oder Wartezeiten an einem Stück bearbeitet werden kann. Die einzelnen Prozesse in der Wertschöpfungskette sind so zu gestalten, dass keine Störungen mehr auftreten und die Kundenaufträge sprichwörtlich durch das Unternehmen fliessen – also ohne Warte- oder Liegezeiten bearbeitet werden. Wird dieser Fluss zeitlich getaktet und ist die Länge der Arbeitspakete bekannt, so hat dieser einen Rhythmus erhalten. Lean wird ein Prozess dann genannt, wenn auch das vierte Merkmal zutrifft: Erst die Kundenbestellung löst die zur Erstellung eines Produkts oder Erbringung einer Dienstleistung notwendigen Tätigkeiten aus.

Mit verbesserter Führungsleistung hin zum schlanken Unternehmen

Zentral bei der Transformation und Weiterentwicklung eines schlanken Unternehmens ist die Führungsleistung. Dazu ist es notwendig, die einzelnen Prozesse transparent und mittels Kennzahlen messbar zu machen (typischerweise über ein Shopfloor Board). Denn nur wo ein Standard definiert worden ist, kann auch eine Abweichung festgestellt – und korrigierend eingegriffen werden. Das Entscheidende bei diesem korrigierenden Eingriff besteht darin, die aufgetretene Abweichung vom definierten Soll als Chance zum Lernen zu verstehen. Eine Organisation muss erst mittels geeigneter Führung und Training die Fähigkeit entwickeln, Probleme nachhaltig und auf kleinstmöglicher Stufe zu lösen – erst dann kann eine kontinuierliche Verbesserung in Gang kommen.

Von der Lean Production zum Lean Enterprise

Die Prinzipien des Lean Managements können keinem einzelnen Erfinder zugeschrieben werden. Vielmehr stellen sie die Summe praktischer Erfahrungen dar, welche über einen langen Zeitraum zusammengetragen und zu einem Ganzen zusammengefügt worden sind. Als berühmteste Beispiele seien hier Taiichi Ōnos Schriften und später Womack, Jones und Roos Klassiker «The Machine that Changed the World» (1990) genannt.

Aus der Keimzelle der Produktion heraus wurden die Lean Prinzipien entlang des Wertstroms auf weitere Bereiche übertragen und angepasst. Je nach Unternehmen und gewähltem Ansatz beginnt die Lean Reise in einer anderen Abteilung – sei dies bei der Auftragsabwicklung, der Logistik, in der Entwicklung oder der Administration. Der Weg zum Lean Enterprise nimmt mehrere Jahre in Anspruch und hat die Etablierung einer Lean Kultur im gesamten Unternehmen zum Ziel.

Grafik: Die unterschiedlichen Reifegrade einer Organisation in der Lean Transformation

Tipps

  1. Im Rahmen eines Lean Projektes wird ein gewisser Freiraum benötigt, Dinge auszuprobieren und mit den betroffenen Mitarbeitern und Führungskräften zusammen eine neue Lösung, einen neuen Prozess auszuarbeiten.
  2. Lean Management darf nie nur theoretisch geschult werden – denn gerade in der Praxis liegt die Stärke des Ansatzes. Es geht bei einzelnen Lean Projekten darum, mit bescheidenen Mitteln rasch konkrete Ergebnisse zu erzielen.
  3. Verbesserungen sollen in kleinen Schritten zügig realisiert werden – anstatt gleichzeitig mehrere Grossprojekte über Jahre hinweg zu verfolgen, soll die Organisation mittels vieler kleinerer Projekte den stetigen Wandel verinnerlichen und die kleinen Potenziale rasch zu heben lernen.
  4. Die durchschlagende Wirkung von Lean Management – über einen Pilotbereich hinaus – erfolgt letztendlich nur dann, wenn die Führung geschlossen dahintersteht.
Letztes Update am September 12, 2017

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